Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


5. Der kopflose Reiter in Gerbin.

In Gerbeen, säre de Lüd, spökend dat immer im Busch. Dor föhr eis de Knecht vom Gaud no de Natzlaffer Bohnhof mit Tuffle. Hei müßt bi dem grote Busch vörbi, dor wull hei vör sich Hult afhoje un dat mit no Hus nehme.
Un as hei dor so geiht, kamm en Schimmel, dorupp satt einer ohn’ Kopp, dei hogt em doch en Ohrfig un denn reet hei werre los. Nu leip de Knecht, wat Tüch un Ledder hulle wull.
Seitdem wull keiner mehr in de Busch gohne.


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6. Ein Fuhrmann sieht einen Toten.

Vor ungefähr fünfzig Jahren, so hat mein Vater mir erzählt, fuhren fünf bis sechs Gespanne von Pollnow nach Groß Karzenburg, um von der Brennerei Spiritus zu holen. Auf dem Heimweg bog einer von den Fuhrleuten, welche sonst hintereinander fuhren, von Wege ab und fuhr im großen Bogen auf frischgepflügtes Land. Die anderen sahen sich um und riefen: „Wat mäkst du nu? Bist narrsch wurre? Wo wist du hen?“ Der kehrte sich aber an nichts; er fuhr ruhig auf dem gepflügten Lande weiter. Nach geraumer Zeit kam er wieder zu den anderen auf den richtigen Weg zurück. Sie fragten ihn, aber er gab keine Antwort, sondern winkte immer ab.
Nach langer Zeit hat er dann meinem Vater auf seine Frage, warum er denn abgebogen sei, erzählt, der verstorbene Rittergutsbesitzer Villnow von Pritzig sei im Galawagen, mit vier Pferden bespannt, zu fahren gekommen, dem hätte er aus dem Wege fahren müssen. „Wil ji dat nich seihe kinnt, kunn ji ruhig taufohre; juch deed hei nischt. Äwer ik sach em; ik mißt em ut dem Weg fohre, süste här hei mi öwerfohrt. Dat is nich jaut, wenn ma alles seihe kann. Ik bin nämlich in ner Nijohrsnacht jebohre. Wenn ‘t sich irjend moke lätt, joh ik am Owend vör Nijohr tidig in’t Bärr un deck me öwer Näs un Ohre tau, dormit ik nischt heer un seih.“


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