Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


19. Eine Gestorbene nimmt den Bräutigam mit.

Ein Mädchen hatte sich mit seinem Bräutigam erzürnt und starb, bevor sie sich wieder versöhnt hatten. Nun ging der Bräutigam einmal abends am Friedhof vorbei. Da sah er plötzlich seine tote Braut vor sich stehen, die sprach ihn an und forderte, er solle an einem der nächsten Abende zu ihrem Grabe kommen und sich mit ihr vertragen. Zwei Abende ließ sie ihm Zeit dazu.
Er ging aber nicht hin, sondern blieb zu Hause auf der Ofenbank. Als er am dritten Abend wieder dort lag, hatte er keine Ruhe. Er fühlte, wie es ihn von der Bank zog und ging schließlich doch zum Friedhof, nahm aber seinen Bruder mit.
Als sie an der Friedhofsmauer waren, blieb der Bruder stehen. Er aber ging weiter. Plötzlich kam die Tote und nahm ihn mit; er wurde nicht mehr gesehen.
Seit der Zeit wanderte die Tote nicht mehr auf der Erde.


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20. Das Küken am Rotzoger Friedhof.

Drei Männer aus Rotzog fuhren immer nach Pollnow zur Arbeit. Sie mußten schon immer sehr früh am Morgen los und an einem Friedhof vorbei.
Eines Morgens sahen sie da ein Küken. Der letzte Mann sagte: „Na, wat will dat Kike all heie?“ Das Küken flog ihm ins Rad. Er mußte gleich anhalten. Wie er abgestiegen war und das Küken herausziehen wollte, wurde daraus eine große Gestalt. Diese gab ihm auf, einen Spruch zu lernen. Er sollte ihn vorwärts und rückwärts können und nach drei Tagen zum Friedhof kommen, um ihn dort zu beten.
Er hat es auch getan. Als er fertig war, sprach die Gestalt: „Nun bin ich erlöst!“ Es war sein Vater gewesen, der im Grabe keine Ruhe gefunden hatte. Von jetzt an erschien er nicht mehr.


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