Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


21. Tod durch Erschrecken am Grabe.

In einer Spinnstube waren viele Mädchen und Burschen versammelt. Es wurden allerlei Gespenstergeschichten erzählt. Ein Mädchen behauptete dabei, es habe keine Angst und würde auch bei Nacht auf den Kirchhof gehen. Die andern wollten das nicht glauben, und schließlich kam es zu einer Wette. Das Mädchen sollte sogleich hingehen und an einem bestimmten Grabe einen Pfahl einschlagen; den gaben sie ihm gleich mit.
Das Mädchen ging auch hin, und die andern folgten in einiger Entfernung nach. Auf einmal hörten sie vom Kirchhof her einen furchtbaren Schrei. Sie warteten eine Weile. Als das Mädchen nicht zurückkam, gingen sie hin. Da lag es tot am Grabe.
Es hatte den Pfahl durch die Schürze gesteckt. Beim Aufstehen fühlte es sich festgehalten und weil es meinte, das täte der Tote, erschrak es so sehr, daß es auf der Stelle starb.


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22. Eine Diebin wird gebannt.

Vor fünfzig Jahren war in Pollnow eine Frau, die konnte allerlei Krankheiten besprechen; sie kannte viele Zaubersprüche, auch den Diebssegen. Wenn der über einen Gegenstand gesprochen wird, so ist der Dieb gebannt und kommt nicht von der Stelle. Er ist „festgemacht“. Er kann sich nicht rühren, bis er „losgesprochen“ wird. Dies muß aber bis Sonnenaufgang geschehen sein, sonst wird der Dieb schwarz.
In einem Sommer kam dieser Frau immer Gemüse aus dem Garten fort. Wenn sie auch aufpaßte, sie bekam den Dieb nicht zu fassen. Da sprach sie heimlich den Diebssegen über das Gemüse.
Als sie nun am andern Morgen in den Garten ging, um nachzusehen, traf sie ihre alte Nachbarin, die stand gebückt beim Kohl und konnte sich nicht aufrichten und nicht rühren.
Sie sprach die Diebin rasch los. Es war auch die höchste Zeit, weil sie etwas spät gekommen war und die Sonne gerade aufgehen wollte. Die Frau wurde schon etwas schwarz im Gesicht.
Sie ließ die Diebin jetzt ruhig nach Hause gehen; aber diese war von der Zeit an krank. Sie ist auch nicht mehr gesund geworden, lag lange Zeit zu Bett und starb dann.


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