Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


26. Die Polenschlacht in dem „Roten Grund“.

Früher sind die Polen oft ins Pommernland gekommen. Sie waren wilde und grausame Menschen, raubten Vieh und Habe, plünderten und verbrannten die Höfe und Häuser und mißhandelten und quälten die Menschen zu Tode. Dann war schlimme Zeit im Lande.
Als sie wieder einmal in großen Scharen ins Land einbrachen, kam ein Haufe auch vor Schloß und Stadt Pollnow. Die Bewohner brachten rasch ihre beste Habe ins Schloß, und das war gut; denn es gelang den Polen bald, in die Stadt einzudringen. Sie zündeten sie an und brannten alles nieder. Nun wollten sie auch das Schloß erobern; aber der tapfere Burgherr wehrte sich mit seinen Leuten tüchtig, und sie machten ihnen viel zu schaffen. Als die Polen sahen, daß sie das Schloß nicht so leicht gewinnen würden, wie sie gedacht hatten, fingen sie an, es zu belagern. Ihr Lager hatten sie währenddessen in dem „Roten Grund“. Da wurde gekocht und gegessen, getrunken und geschlafen. Manchmal machten sie dabei solchen Lärm, daß man ihn im Schlosse hören konnte.
Nun führte aber vom Schlosse bis zum Heiligen Berge ein unterirdischer Gang; davon wußten die Polen nichts. In einer Nacht schlich der Schloßherr mit seinen besten Leuten durch diesen Gang nach dem Heiligen Berge. Dort stiegen sie heraus und überfielen die Polen in ihrem Lager. Eine große Menge wurde erschlagen, und die übrigen liefen in wilder Flucht davon, denn sie dachten, die Pollnower hätten Hilfe bekommen.
In der Senke, wo die Polen erschlagen wurden, war der Sandboden von dem Blute rot geworden und ist bis heute auch rot geblieben. Darum heißt die Stelle noch immer der „Rote Grund“.


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27. Das Gespenst im Pollnower Schlosse.

Im Schlosse erscheint nachts manchmal ein Geist. Es gibt in Pollnow noch Leute, die erzählen, daß sie ihn selbst gesehen hätten.
Die Schlafenden wurden durch einen kalten Hauch geweckt. Vor ihrem Bette stand ein großer Mann in einem weißen Mantel. Stumm wartete er darauf, daß er angeredet würde, denn dann konnte er erlöst werden. Aber noch niemand hatte dazu den Mut gehabt. Nach einer Weile fletschte er dann zornig die Zähne und klappte die Kinnladen zusammen. Endlich verschwand er jedesmal mit einem leisen Seufzer.
Es ist der Geist eines Raubritters, der früher das Schloß bewohnte. Oft ritt er mit seinen Knechten nachts aus und überfiel reisende Kaufleute. Dabei brachte er manchmal Gefangene mit. Gegen diese war er sehr grausam. Er ließ sie prügeln und mißhandeln, daß die Wände mit Blut bespritzt waren. In einem Saale im oberen Stockwerke befand sich im Fußboden eine Falltür. Auf diese ließ er den Gefangenen treten, dessen Tod er beschlossen hatte. Dann stürzte dieser plötzlich hinunter in die steinernen Gewölbe, brach sich die Glieder oder zerschmetterte sich den Kopf.
Die vielen Blutflecke an den Wänden sind später noch immer zu sehen gewesen, und man hat sie nicht fortschaffen können. Sie kamen durch Kalk und Tünche immer wieder zum Vorschein.
Bei einem Raubzuge wurde der Ritter selber verwundet. Die Wunde heilte nicht, und er ist dann elend gestorben. Zur Strafe für seine Freveltaten findet er im Grabe keine Ruhe und irrt als Geist durch das Schloß, bis ihn jemand erlöst. Doch das wird wohl nie geschehen.


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