Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


32. Wie in Pollnow die französische Kriegskasse gestohlen wurde.

Jedes Kind in Pollnow weiß, daß hier den Franzosen einmal ihre Kriegskasse gestohlen worden ist. Die ganz alten Leute haben es oft genug erzählt, und die müssen es ja wissen, denn sie haben es doch von ihren Eltern und Großeltern gehört.
Im Frühjahr 1807 ist es gewesen, als der unglückliche Krieg zwischen den Preußen und den Franzosen war. Da kamen viele Franzosen durch Pollnow, die machten hier Rast. Auf dem Markte standen ihre Wagen mit Gepäck und Munition, und jedes Haus bekam 8 bis 10 Soldaten als Einquartierung. Da gab es viel Wehklagen bei den Bürgern, denn die feindlichen Krieger verlangten gutes Essen und Wein zu trinken. Aber die Pollnower waren arm und hatten nicht viel, und Wein schon gar nicht, höchstens etwas Schnaps oder Bier. Da haben denn die Soldaten selbst gesucht und genommen, was sie fanden, und wenn es die letzte Wurst und das letzte Stück Brot oder Speck war. Oft war es auch noch anderes als Essen und Trinken, das behielten sie, ohne zu fragen, wenn auch die Bürger klagten und die Frauen jammerten. Der Kommandant der Franzosen verlangte dazu noch Mehl, Korn, Vieh, Säcke, Stricke und sonst noch mehr für seine Truppen und eine große Menge Geld; es sollen wohl 10.000 Taler gewesen sein. Und da half kein Jammern. Die Bürger mußten sehen, wo sie es herkriegten, und jeder mußte etwas liefern.
Das Eckhaus am Markt, wo heute die Pumpe steht, gehörte damals Laude. Bei dem hatte ein französicher Beamter seine Wohnung genommen, der schrieb alles auf und ließ es auf die Wagen laden. Das Geld packte er alles in Kisten, die bei ihm in der Stube standen. Draußen standen französische Soldaten und paßten auf. Bis zum späten Abend war ein Kommen und Gehen, ein Reden und Schimpfen oder Weinen und Bitten. Dann schloß der Franzose alles zu und ging zum Essen, aber draußen standen die französischen Posten.
Am andern Morgen sollten die Soldaten weitermarschieren. Als nun in der Frühe die Geldkisten aufgeladen wurden, da fehlte eine. Der Franzose hat wild geflucht und im ganzen Hause alle Leute zusammenholen lassen. Alles wurde durchsucht; aber gefunden wurde nichts. Im Fußboden des Zimmers war zwar eine Lucke, durch die konnte man in den Keller steigen, wie heute noch in manchen Läden und Stuben. Sie haben den Keller auch ganz genau durchsucht, aber auch da war nichts zu finden. Weil die Soldaten nun abrücken mußten, hatten sie ja auch keine Zeit mehr, noch weiter zu suchen. Aber der französische Zahlmeister hat gedroht, wenn sie wiederkämen, dann sollten die Pollnower dafür büßen.
Später sind auch andere Franzosen hier durchgekommen, die haben auch Essen und Trinken verlangt und Pferde und Ochsen als Vorspann für ihre schweren Wagen. Aber von dem gestohlenen Geld schienen sie nichts zu wissen, und die Pollnower haben darüber auch den Mund gehalten, sonst hätten sie wohl noch dafür aufkommen müssen.
Wer den Geldkasten gestohlen hat, das hat auch später keiner erfahren. Die Pollnower Bürger haben sich bloß gewundert, daß zwei arme Leute sich nachher Häuser kaufen konnten. Als nach vielen Jahren einmal eine Kuh durch einen Hausflur geführt werden mußte, brach sie durch den Fußboden. Da fanden sie darunter einen kleinen Keller, von dem niemand etwas gewußt hatte. In dem Loch war nichts weiter als ein halbverfaulter Kasten. Da haben alle Leute gemeint, sie könnten sich nun denken, wo die gestohlene Kriegskasse geblieben wäre.


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33. Die Franzosenschlacht bei Pollnow.

Eine bekannte Pollnower Sage erzählt:
„Im unglücklichen Kriege 1806/7 sind auch nach Pollnow viele Franzosen gekommen. Sie bedrückten die Leute sehr und erpreßten von ihnen das Letzte. In Stadt und Land stieg die Not so hoch, daß die Menschen weder Brot noch Fleisch noch Milch oder Korn hatten. Sie kochten darum allerlei Wurzeln und Kraut, oder sie holten Quecke und Birkenrinde, trockneten und mahlten sie, um damit das bißchen Mehl zu vermehren und Brot backen zu können. Der Hunger war fast in jeder Familie zu Hause.
Da bekamen die Bürger eine große Wut. Als die Franzosen endlich abrückten, wurden sie in dem „Roten Grund“ überfallen und viele von ihnen totgeschlagen. Von dem vergossenen Blute ist der Sandboden dort heute noch rot.“
Aber die Stadtchronik erzählt aus der Franzosenzeit wohl von Not und Bedrückung durch die Franzosen und Polen; von einer Schlacht weiß sie jedoch nichts. Sie berichtet folgendes:
Als nach dem unglücklichen Kriege die Franzosen, die das Land ausgesogen und arm gemacht hatten, im Jahre 1813 wieder vertrieben werden sollten, wurde überall im Lande der Landsturm gebildet. In Pollnow stellte man aus den älteren wehrfähigen Männern zwei Kompagnien zusammen. Diese marschierten täglich nach der Brache vor dem Jatzinger Berge und exerzierten dort an Wochentagen eine Stunde, am Sonntage aber den ganzen Nachmittag. Ein Kapitän hatte die Leitung; zwei Leutenants und eine Anzahl von Unteroffizieren besorgten die Ausbildung. Das Übungsgelände heißt seither Exerzierplatz bis auf den heutigen Tag.
Im Herbst bekamen die Landsturmleute wirklich Gelegenheit, Dienst mit den Waffen zu tun; denn dann kamen in verschiedenen Trupps die Franzosen wieder, im ganzen ungefähr 5000 Mann, aber als Gefangene. Sie sollten nach Danzig in ein Gefangenenlager. Die Landsturmleute mußten sie bewachen und weiter geleiten. Da haben sie wohl an die vielen Quälereien gedacht, welche ihre früheren Bedrücker an ihnen verübt hatten und mögen wohl nicht immer sehr sanft mit den Gefangenen umgegangen sein.
Vielleicht ist daraus die Sage von der Franzosenschlacht entstanden.


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