Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


40. Die Hinrichtung auf dem Galgenberge bei Pollnow.

Bei der Krangenhütte an der Straße von Pollnow nach Wusterwitz ist vor vielen Jahren ein Mord geschehen. Lange Zeit befand sich nachher an dieser Stelle ein Strauchhaufen; denn jeder Vorübergehende warf ein paar Reiser darauf. Von dem Morde aber erzählt man folgendes:
Als es noch keine Eisenbahnen gab, wurden die Schweine von Händlern aufgekauft und dann in ganzen Herden auf der Landstraße nach den großen Städten getrieben, wo sie an die Schlächter verhandelt wurden. Die Händler hatten immer viel Geld bei sich.
Einmal ging ein solcher Aufkäufer von Pollnow über Krangen nach Schlawe. Sein Geld trug er in der Geldkatze, die mit einem Ledergurt um den Leib geschnallt war. Zwei Männer aus Pollnow, Martin Schröder und Samuel Dahlke, wußten das, gingen ihm nach und schlugen ihn bei der Krangenhütte tot. Sie raubten das Geld, bedeckten den Toten mit Gesträuch und Steinen und kehrten dann nach Pollnow zurück.
Eine Frau hatte beobachtet, wie sie ihre Hände im Moorbach wuschen; sie wunderte sich, daß diese blutig waren. Als die Brüder des Ermordeten nachforschten und die böse Tat bekannt wurde, erzählte sie, was sie gesehen hatte. Die beiden Mörder wurden verhaftet und verhört. Zuerst bestritten sie alles, mußten dann aber doch ihre Schuld zugeben.
Nach einem halben Jahr wurden die beiden Männer auf dem Galgenberge dicht bei der Stadt hingerichtet und zwar mit dem Rade. Viele Leute aus Pollnow, Jatzingen und andern Orten kamen, um zuzusehen. Dabei drängten sich besonders die Frauen dicht heran und suchten, von dem Blut etwas aufzufangen, oder tauchten Tücher und Lappen hinein, weil es Glück bringen soll, wenn man das Blut eines Hingerichteten im Hause aufbewahrt.


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41. Der schwarze Hund am Judenberge bei Bussin.

Von Bussin nach Pollnow führt ein Richtsteig. Dieser geht über den Judenberg an einer tiefen Schlucht vorbei. Wer nachts diesen Pfad gehen muß, dem begegnet manchmal ein schwarzer Hund, der ihn bis zum Fuße des Berges begleitet. Redet jemand den Hund an, so wächst er vor seinen Augen plötzlich riesengroß in die Höhe, ängstigt die Leute mit schrecklichen Gebärden und verschwindet unter lautem Getöse.


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