Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


46. Das Wolfsmoor bei Sydow.

In der Nähe des Dorfes Sydow liegt ein Moor, das heißt Wolfsmoor. Als es in dieser Gegend noch Wölfe gab, haben sie hier gehaust. Sie schlichen weithin in die umliegenden Dörfer, um sich Nahrung zu holen.
An einem Herbstmorgen hörte ein Jäger in diesem Moor ein Glöckchen läuten, wie es die Haustiere auf der Weide tragen, dazu erklang das klägliche Meckern einer Ziege. Als er näher kam, erblickte er eine Wölfin, die das Tier an einem Strick in das Moor leitete. Er schlich nach und bemerkte, wie sechs junge Wölfe aus einem Gesträuch hervorkamen und die Ziege berochen.
Da erschoß er zuerst die Wölfin, dann ihre Jungen. Die Ziege lief vor Schreck fort, wurde aber bald wieder gefangen. Als man in den Dörfern der Umgegend bekanntmachte, daß sich eine Ziege eingefunden habe, stellte sich heraus, daß sie nach Treten, Kreis Rummelsburg gehörte.


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47. Die Wolfsschlucht bei Sydow.

Von Sydow zum Niedersee führt eine sehr steile Schlucht, die auf eine Viertelmeile gegen 100 Meter Gefäll hat. Die steilen Abhänge mit ihrem undurchdringlichen Gebüsch waren ein Lieblingsaufenthalt der Wölfe. Die Wölfe waren so zahlreich und frech, daß sie die Menschen am hellen Tage anfielen. So wurde auch ein alter Mann angefallen. Er kletterte auf einen Baum. Hier schnitt er sich in einen Finger und ließ das Blut auf die unten heulenden Wölfe herniedertröpfeln. Traf der Tropfen einen Wolf, dann fielen die anderen Wölfe im Blutrausch sogleich über ihn her und fraßen ihn auf. So hielt sich der alte Mann solange, bis Hilfe kam.
Ein andermal fuhr ein Mann mit einer Tonne auf dem Wagen zum Niedersee, um Wasser zu holen. Da sprangen Wölfe aus dem Dickicht. Die Pferde gingen durch, der Mann fiel mit der Tonne vom Wagen und kam unter sie zu liegen. Die Wölfe sprangen um die Tonne herum und kratzten an ihr. Der eine steckte seine Pfoten unter den Rand der Tonne. Der Mann hatte sein Messer gezogen und schnitt rasch die Sehnen des Wolfes durch. Der zog heulend seine Pfoten zurück. Als die anderen das Blut sahen, fielen sie über ihn her und fraßen ihn auf.
Die Wölfe wurden im Winter so dreist, daß sie sich bis ans Dorf heranwagten und die Leute sie mit Äxten und Forken davonscheuchen mußten. Große Bauern hielten sich eigene Wolfshunde, die ein eisernes Halsband mit Stacheln trugen. In den Wäldern wurden Wolfsgruben mit Fallen angelegt, vor dem Dorfe Wolfsnetze aufgestellt und regelmäßig Wolfjagden abgehalten.


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