Pollnow

Sagen und Erzählungen in und um Pollnow


51. Der „Rote Grund“ bei Pollnow.

Früher machten die Polen öfter Raubzüge über die Grenze nach Pommern. Sie plünderten und brannten, trieben das Vieh fort und nahmen den Herren und Bauern Hab und Gut.
Weil ihnen niemand half, suchten die Leute sich selber zu wehren. Der Herr des Dorfes Bosens holte nach einem solchen Raubzuge seine Bauern zusammen und zog den Polen nach. Er überraschte sie mit ihrer ganzen Beute in dem „Roten Grund“ bei Pollnow. Sie waren betrunken und ganz sorglos.
In der Nacht fielen die Pommern mit Forken, Sensen und Dreschflegeln über sie her und schlugen alle tot.
Von dem vergossenen Blut wurde der Sand rot und ist es bis heute geblieben. Darum heißt die Stelle der „Rote Grund“.


Inhalt

52. Der Tranberg.

Früher wohnten in Pollnow sehr viele Schuhmacher. Auf allen Jahrmärkten im weiten Umkreise stellten sie ihr selbstgefertigtes Schuhzeug zum Verkaufe aus und hatten auch großen Absatz; denn ihre Ware war gut und haltbar und vor allem wasserdicht, weil die Meister beim Schmieren den Tran nicht sparten. Den mußten sie aber auf einem Fuhrwerk von Stolp heranschaffen, und das war bei den schlechten Landwegen jedesmal eine weite und beschwerliche Reise. Um die Unkosten zu verringern, taten sich darum stets mehrere zusammen zu einem gemeinsamen Einkauf.
Nun hatten wieder einmal einige Meister die Fahrt nach Stolp gemacht und ein großes Faß Tran gekauft, auch ein Fläschchen Schnaps nicht vergessen, um sich stärken zu können, wenn sie - was häufiger vorkam - zur Schonung der Pferde eine Strecke zu Fuß neben dem Wagen herlaufen mußten. Es herrschte schon ziemliche Dunkelheit, als sie endlich im Velliner Walde nahe bei Pollnow waren. Aber in ihrer Freude, die mühselige Reise bald hinter sich zu haben, machten sie am letzten Berge noch einmal Rast, setzten sich an den Wegrand und ließen die Schnapsflasche einigemal kreisen. Dabei achteten sie gar nicht auf das Glucksen und Plätschern, das am Wagen hörbar wurde.
Schließlich besannen sie sich doch auf die Pflicht zur Heimkehr und begaben sich zu ihrem Fuhrwerk, um stolzen Einzug ins Städtlein zu halten. Da mußten sie nun die betrübliche Entdeckung machen, daß sie um den Preis ihrer Mühe, den kostbaren Tran, betrogen waren. Ihre Laterne zeigte ihnen gerade noch, wie er im Sande versickerte.
Das gab eine stille Heimkehr, zu Hause einen bösen Empfang und ein großes Gelächter in der Stadt. Die Stätte ihres Unglücks aber hieß zu ihrer geringen Freude seither Tranberg.


Inhalt