Pollnow

V.


Amerkungen

Für Bücher und Hilfsmittel ist zu verweisen auf:
Sagen und Erzählungen des Kreises Schlawe, Verlag A. Mewes Nachf., Rügenwalde Ostsee, Teil I (1937), Teil II (1938), im folgenden abgekürzt: Sagen u. Erz. I bzw. II. Wo die erste Auflage des Buches: Sagen des Kreises Schlawe von Karl Rosenow, Verlag A. Mewes Nachf., Rügenwalde Ostsee, 1921 (abgekürzt: Rosenow, Sagen 1921) verwertet ist, folgen in den Anmerkungen genaue Hinweise. Die s. 3. dort gegebenen Herkunftsangaben usw. sind in eckige Klammern gesetzt.
Weitere Abkürzungen:
Bl. Blätter für pommersche Volkskunde, Bd. I - X, Stargard und Labes 1892 - 1901.
Haas, A. Pommersche Sagen, Leipzig 1921.
Henschke, K. H. Pommersche Sagengestalten, Greifswald 1936.
H. H. G. Heimatbeilage der Grenzzeitung: Heimat im Grenzland, Stolp 1937 f.
H. O. Heimatbeilage der Zeitung für Ostpommern: Ostpommersche Heimat, Stolp.
H. Schl. Heimatbeilage der Schlawer Zeitung, Schlawe 1936 - 1937.
H. Schl. G. Heimatbeilage der Schlawer Grenzzeitung: a) Volk und Heimat, 1934 - 1935; b) Was Deine Heimat Dir erzählt, 1936 - 1937.
Jahn, U. Volkssagen aus Pommern und Rügen, Berlin 1890.
Kogl. Hauptlehrer E. Koglin, Pollnow.
P. Pollnow.
Die Bilder zeichneten unsere Kameraden G. Jonas und R. Krampe.
I. Aus der Geschichte des Schlosses und der Stadt Pollnow.
Als Quelle wurde die Pollnower Stadtchronik benutzt. Ferner leistete wertvolle Dienste: Rosenow, Rund um den Papenzinsee, H. O. 1935, Nr. 14 ff. Zu verweisen ist auch auf H. O. 1934 Nr. 40 ff. Das Blaue Buch von Pollnow. Der Tauschvertrag von 1472 ist in niederdeutscher Sprache geschrieben. Eine teilweise Wiedergabe findet sich in H. Schl. 1928, S. 277. Nachstehend ein Auszug:
„Wy Eriek van Gades gnaden tho Stettin, Pamern, der Cassuben unde der Wenden Hertogk unde Fürste tho Rügen, Bekennen vn thügen vor alss wem, dat wy sin tho samende gekamen mit deme Ehrbaren, düchtigen Peter Glasenappe, Erffsehten tho Kopriven, unseme leven getrübben rade un manne myt lüte, also dat wy na rade, tholate un wyllen der Erluchteden Hochgebahrnen Forstinnen Sophien unser Ehliken Hußfrowen, Hertoch Bogeslaves un Eraßmerß unser Son, unser lewen getrewen Raden hebben geven, gelegen und gunt, unse Schlot, Stad und Landt Pollnowe, mit alle sinen thoherungen, rechtigcheiden, vrigcheiden, Dorperen, Huven, tynsen, Molen und kerklenen, afflageren un Borchdenst, id sy an gelde, korne-Pacht, Bede, mit aller nut, also quit und vrig unse Seligen Vorolderen dat alder vrigest von deme stuhle gehad un Beseten hebben, mit deme Hogesten un mindesten Gerichte der Stadt, des Landes an Hant un hals, un mit aleme Rechte em un synen Erven thu Erve un von Erven tho Erven, nichts nicht uht genamen man allene de Ridderschop, de in deme Lande tho Pollnowe wahnen und besäten sin, de schalen by ons un inse Erven un nakommelingen tho ewigen tyden Blyven und de Benamende Peter Glsenappa syne Erven schelen dar nicht mer Bedens aver hebben, man in unseme nahmen alse unse knecht un Voget, un in dem Lande Richten un Richte holden un raden. usw.
Gegehven tho Rügenwalde in dem Jahren des Herrn Dusend veerhundert dar na in deme twee un Sövengtigsten Jahre des Sundags na Johannis Baptiste under onserem Ingesell.“
Zum Brande im Jahre 1736 seien der Eigenart wegen zwei Gedichte aus der Kirchenmatrikel wiedergegeben. Das erste, von Bublitz an Pollnow gerichtet, lautet:

1. Armes Pollnow, denk’ daran,
Was der Höchste dir getan,
Denk bei deinem Feuerschaden
an die heißen Osterfladen,
Die du ‘gessen hast mit Schmerzen
An dem letzten Tag des Märzen,
Da du gingst die Trauerbahn,
Armes Pollnow, denk daran.

2. Pollnow, denk an jene Zeit,
Da des Höchsten Gütigkeit
Ihre Flügel ausgebreitet,
Da die jetzt zerschmolz’nen Glocken
Dich zur Kirche konnten locken,
Da die Mahlzeit war bereit,
Pollnow, denk an jene Zeit!

3. Pollnow, ach, wie siehst du aus!
Liegst du doch in Asch und Graus.
Deine Kirche ist verheeret,
Deine Häuser sind verzehret,
Und die Lebensmittel fehlen.
Wer kann deinen Jammer zählen?
Bist du nicht ein wüstes Haus?
Pollnow, ach, wie siehst du aus!

4. Liebes Pollnow, denk daran,
Schau, das hat der Höchst’ getan.
Deine übermäß’gen Sünden
Müssen diese Zeit empfinden;
Deine Sonntagsschändereien,
Fluchen, Schwören, Schindereien
Reichen bis zum Himmel an.
Liebes Pollnow, denk daran!

5. Pollnow, soll dir’s wohl ergehn,
Soll dein künftig Glück bestehn,
Mußt du dich zu Gott bekehren
Und den Sonntag besser ehren.
Wirst du dich von Sünden waschen,
Wirst du bald aus deiner Aschen
Als ein Phönix auferstehn,
Pollnow, dir wird’s wohlergehn.

Da vier Wochen später in Bublitz ebenfalls ein großes Schadenfeuer wütete, das 60 Häuser und die Scheunen vernichtete, wobei auch der Bürgermeister seinen Tod fand, hatte Pollnow Gelegenheit zu einer Erwiderung. Sie lautete:

1. Bublitz, hast du wohl gesehen,
Was an Pollnow Gott getan?
Zweifelsohne ist’s geschehen,
Daß du dich sollst spiegeln dran.
Denn so läßt er nach vier Wochen,
Seit du unsern Brand gerochen,
Bublitz, dich im Rauch aufgehen
Und hängt dir ein Denkmal an.
Bublitz, hast du wohl gesehen,
Was an Pollnow Gott getan?

2. Bublitz, der muß harte schlafen,
Den das Feuer wecken muß;
Drum wird den verlor’nen Schafen
Angepresset schwere Buß.
Will man nicht die Boten hören,
Die uns Gottes Wege lehren,
So erblitzen seine Waffen
Und des Zornes-Schalen-Guß.
Bublitz, der muß harte schlafen,
Den das Feuer wecken muß.

3. Bublitz, du hast unser Feuer
Nur vielleicht von fern betracht,
Und dich selbsten all zu teuer
Und vom Unglück fern geacht.
Doch das heißt im Finstern tappen,
Gleiche Brüder, gleiche Kappen.
Weil du Gott denn nicht getreuer
Warest, sind wir gleich gemacht.
Bublitz, du hast unser Feuer
Nur vielleicht von fern betracht.

4. Bublitz, zwischen dein Cantate
Fällt ein Jammer-Ächzen ein,
Und dein Sonntags-Jubilate
Muß ja ein Lamentum sein.
Wenn man nicht will eher weinen,
Bis die Zorngericht erscheinen,
Das heißt freilich viel zu spate
Seine Misstat bereun.
Bublitz, zwischen dein Cantate
Fällt ein Jammer-Ächzen ein.

5. Bublitz, denk an deine Sünden,
Da du heimgesuchet bist.
Sieh, des Höchsten Augen finden,
Was dir längst vergessen ist.
Was bisher in dir gestecket,
Hat das Feuer aufgedecket.
Das soll dir ein Licht anzünden.
Wohl! der dieses dabei sieht!
Bublitz, denk an deine Sünden,
Da du heimgesuchet bist.

6. Armes Bublitz, es beweinet
Pollnows Asche deinen Brand.
Doch so gut als es gemeinet,
Ist bei uns nur leere Hand.
Vor dein Speisen und Erquicken
Kann nur Tränen Pollnow schicken,
Womit es für Gott erscheint,
Daß der Zorn werd’ abgewandt.
Armes Bublitz, es beweint
Pollnows Asche deinen Brand.

7. Bublitz, laß den Mut nicht sinken,
Dich schlägt eine Vaterhand.
Es ist dir nach unserm Dünken
Nicht zu hoch der Bog’n gespannt.
Deinen Tempel läßt er stehen
Und dir hiermit deutlich sehen,
Solches sei ein Gnadenwinken,
Daß sein Herz nicht ganz gewandt.
Bublitz, laß den Mut nicht sinken,
Dich schlägt eine Vaterhand.

8. Liebes Bublitz, diese Flammen
Sollen uns für Augen stehen.
Ei, so laß uns denn zusammen
Zu dem treuen Vater gehn.
Der geschlagen, wird uns heilen,
Er wird uns zu helfen eilen
Und aus diesen tiefen Schlammen
Schon zu rechter Zeit erhöhn.
Liebes Bublitz, diese Flammen
Sollen uns für Augen stehen!

Die beiden Gedichte erinnern mit ihrer Übersteigerung und ihrer Vorliebe für eigenartige Lied- und Wortformen einmal an die Barockdichtung, zum andern zeigen sie aber doch schon verstandesmäßige Darstellung, wie sie die Aufklärungszeit in ihren Werken bevorzugt. Das aus Pollnow stammende Lied offenbart eine gewisse Gefühlstiefe gegenüber der etwas überheblichen Bublitzer Dichtung. Selbst erfahrenes tiefes Leid läßt das Unglück der andern besser verstehen.
Als Verfasser glaubt K. Rosenow für das an Pollnow gerichtete Gedicht den Präpositus Joachim Holce (1725 - 42 in Bublitz) zu erkennen, von dem er wiederholt Gelegenheitsgedichte gefunden hat. Bei dem nach Bublitz gesandten Gedicht „werden wir wohl nicht fehlgehen, wenn wir es dem Pastor Martin Friedrich Schmitt (1717 - 46 in Pollnow) zuschreiben“ (H. Schl. 1926 S. 103). Teile der Stadtchronik und die beiden Gedichte sind veröffentlicht in: H. Schl. 1925, S. 102 f.; K. Rosenow, Der große Brand in Pollnow.

II. Quer durch unser Sagengebiet zum Steinberg.
Von der Gründung Klarenwerders durch Adam von Podewils erzählt die wiederholt erneuerte hölzerne Gedenktafel in Klarenwerder (abgedruckt in H. Schl. 1928, S. 245 und 1930, S. 359):
„Nach löblichem Gebrauch der hochgerühmten Alten,
War ich darauf bedacht, mit Nutzen Haus zu halten.
Ich suchte meine Lust in Heide, Feld und Wald,
In Büschen, Berg und Tal, wo Echo widerschallt,
Ich wählte solche Stätt’, wo Bach und Ströme fließen,
Wo Fisch und Vogelschar die Nahrungsspeis versüßen.
Und als ich diesen Ort damit umgeben fand,
Erwog ich hier mein Tun und griff hier einen Stand.
Ich fing zu hacken an, zu roden und zu hauen
Und von gefälltem Holz die Zimmer aufzubauen,
Ich ließ das Ackerwerk mir angelegen sein,
Und was dazu gehört, schafft ich vorzüglich an.
Zur Weide meines Viehs bestellt ich fette Wiesen,
Die Bach und Ströme ließ ich fangen mit den Schleusen.
Ich legte Blumen an, auch Ochs’ und Schaf’ und Kühe
Und ließ dies insgesamt wohl wachsen, spät und frühe.
Wo man trug ein Gericht mit frischem Mut zu Tische,
Das gab viel Käs’ und Milch, auch Fleisch und schöne Fische.
Davon ich und mein ganzes Haus recht appetitlich aßen
Und dabei Gott den Herrn zu loben nicht vergaßen.
Und weil mein Ehgemahl, Frau Klara Zitzewitzen,
Mir allerwegen hat hierinnen wollen nützen,
So hab ich mich zu ihr mit bestem Dank gelenkt
Und ihr zum Eigentum dies neue Gut geschenkt.
Nach ihrem Namen soll sichs Klarenwerder nennen,
Ich wünsche, daß sich mag kein Glücke von ihr trennen.

Anno 1667, den 28. Mai.
Adam von Podewils.

III. Unsere heimischen Volkserzählungen der Gegenwart.
Die Abhandlung bringt einige Beobachtungen, die beim Sammeln der vorliegenden Sagen und Geschichten gemacht wurden. Als wesentliche Ergebnissse können herausgestellt werden:
Das Sammeln von Erzählgut ist eine wichtige Seite des Heimat- und Volkskundeunterrichts in der Schule. Die Mittel- oder Oberstufe kann hierdurch in ein wertvolles Gebiet der Deutschen Volkskunde eingeführt werden. Die Kinder können sich selbständig betätigen. Auf lose Zettel geschrieben, mit Datum sowie Name, Alter und Wohnort des Erzählers versehen, wird sich bald ein beachtenswerter Bestand zusammenfinden, der sorgfältig in einer Mappe im Schularchiv aufzubewahren ist. Diese Sammeltätigkeit ist Jahr für Jahr zu wiederholen, auch wenn dieselben Geschichten häufiger wiederkehren. Für die Schule ist solche Sammlung ein heimatlicher Schatz, für den Forscher eine wertvolle Fundgrube.
Für den Wert der in obiger Betrachtung erwähnten „Sagentrümmer“ wie überhaupt für eine Sammeltätigkeit kann verwiesen werden auf: Friedrich Wilhelm Schmidt, Die Sage als Kunstform, in: Zeitschrift für Niederdeutsche Volkskunde, Jahrgang 1929.
Wie heute in einem anderen pommerschen Heimatgebiet die Sagensammlung gute Früchte gezeitigt hat, zeigt das Buch von Hugo Stübs, Ull Lüj vertellen, Greifswald 1938.

IV. Sagen und Erzählungen in und um Pollnow.
1. Aus Drawehn von einem verstorbenen Arbeiter der Kalkbrennerei. Geschichten vom wilden Jäger sind häufig. Vgl.: Sagen u. Erz. II, Nr. 4, Anm.
2. Zusammengefaßt aus den Erzählungen von Karl Schulz, 70 J., Fritz Braun, 14 J., Kurt Braun, 14 J.; alle P.
3. Von Schüler Martin Wiese, erzählt von seiner Großmutter aus P.
4. Von Günter Dähn, 13 J.; erzählt von seinem Großvater aus P., 60 J.
Eine Erzählung der Frau Körner, P., 70 J., lautet wörtlich (aufgeschrieben von ihrem Enkel Walter Körner, P., 14 J., 1936):
Die wilde Jagd bei Großwaldhof.
Im Herbst 1904 ist es gewesen. Wir haben damals in Großwaldhof, Kreis Schlawe, gewohnt. Die Leute haben alle geschlafen. Wir haben auch schon geschlafen. Mit einmal bin ich aufgewacht. Es ist solch großer Sturm gewesen und ganz dunkel. Da höre ich Pferde trappeln, Peitschen knallen, Wagen rasseln und Hunde bellen. Ich höre Singen und Lärmen von Männerstimmen und Schießen, Pfeifen und Blasen. Ich springe aus dem Bett und gucke aus dem Fenster, sehe aber nichts. Da ist Großvater auch aufgewacht und fragt, was los ist. Ich erzähle es ihm hastig, und er sagt, daß es die wilde Jagd ist. Wer draußen ist und danach ruft, den nehmen die wilden Jäger mit. Er muß ihnen solange jagen helfen, bis er tot hinfällt. Da bin ich still wieder ins Bett gekrochen, aber ich konnte nicht eher einschlafen, bis die wilde Jagd vorbei war und draußen alles wieder ruhig war.
Der Glaube, daß manche Menschen Tote sehen können, findet wiederholt in Geschichten Ausdruck. Gedacht ist hier wohl an die Gabe des zweiten Gesichts; solche Personen können Gestorbene an irgend einem Ort lebend vor sich sehen; an Lebenden erkennen sie den baldigen Tod. Der Glaube an das zweite Gesicht ist besonders in Ostfriesland, Westfalen und Oldenburg weit verbreitet. Vgl. auch Sagen u. Erz. II, Nr. 11.
Dazu folgende, durch Lehrer Krämer übermittelte, wortgetreue Erzählung (die Namen der beteiligten Personen sind aus verständlichen Gründen verdunkelt):
Am Heiligabend 1936 schmückte meine Schwester Gertrud unsern Weihnachtsbaum. In diesen Tagen war Klara G. gestorben. Wir aßen Abendbrot und als wir alle satt waren, schmückte Gertrud los und wir halfen mit. Mein Vater saß auf dem Sofa und guckte uns zu. Auf einmal sah er Klara G. stehen; sie hatte ein weißes Kleid an. Sie machte meiner Schwester immer Platz. Wo Gertrud ging, ging sie auch.
Mein Vater guckte immer zu und sagte nichts. Nachher sagte er: „Gertrud, verpuste dich etwas.“ Gertrud schmückte immer weiter, und Klara G. ging immer rund um den Weihnachtsbaum und beguckte ihn.
Als sie noch lebte, kam sie immer zu uns und sagte: „Wenn Weihnachten ist, komme ich auch.“ Nun kam sie auch. - Mein Vater erzählte uns das nicht eher, als bis Frau G. kam; dann erzählte er es ihr.
7. Aus Jahn Nr. 494: „mündlich aus Sydow, Kr. Schlawe und aus Ritzig, Kr. Schivelbein“. Übrigens besteht öfter eine Verbindung zwischen den oben genannten Kreisen (z. B. Jahn Nr. 35).
8./9. Erzählt von Franz Berndt, P., 43 J., bzw. Auguste Vergin, P., 66 J.
10. O. H. 1936 Nr. 12 (Rosenow). Hier findet sich noch eine andere Erzählung:
Die Unterirdischen bei Suckow.
Ein Mann aus Quäsnow ging in den Wald, um sich einen Kienstubben zu holen. Es wurde aber so dunkel, daß er keine Hand mehr vor den Augen sehen konnte und sich verirrte. Als er aus dem Walde herauskam, sah er einen Keller, der war hell erleuchtet und in ihm gingen geschäftig kleine geputzte Männlein und Weiblein hin und her. Der Mann wunderte sich, wo er wäre, als er im Hintergrunde den Turm der Suckower Kirche erkannte. Hoch erfreut rief er: „Das ist ja die Kirche von Adlig-Suckow!“ Sofort war der Spuk verschwunden, und er stand zwischen Gräbern auf dem Suckower Kirchhof. Erst am andern Morgen kam er nach Hause.
11. Von Kogl., nach einer Erzählung von Louis Schmidt, P., 70 J. +.
12. Nach Rosenow, Sagen 1921, Nr. 149: (mündlich. Vgl. Jahn, Nr. 118). In welchem Maße diese Erzählungen den Charakter von Spukgeschichten annehmen können, zeigt der Bericht aus Jahn, Nr. 164:
Vom Kobold in Sydow.
Ein Bauer ging von Sydow nach Neumühlenkamp. Da sah er auf dem Wege ein schönes buntseidenes Band liegen. Ohne, wie sich das doch so gehört, dabei zu sagen: „Help Gott, Herr Jesus Christ!“ nahm er es auf, um es seiner Frau als Geschenk mitzubringen. Diese freute sich darüber und legte es in ihren Kasten.
Wunderbar war, daß seit diesem Tage bei dem Bauern in der Wirtschaft nichts mehr seinen richtigen Verlauf nahm. Des Morgens beim Aufstehen fehlte bald dies, bald jenes Kleidungsstück und war trotz allen Suchens nicht zu finden. Und ebenso ging es mit den Gerätschaften zum Häckselschneiden, mit den Ackergeräten und mit dem Küchengeschirr.
Es dauerte nicht lange, so nahm der Spuk immer größere Ausdehnung an. In den Stuben wurden Tische und Stühle umgeworfen, kurz, es wurde ein solcher Höllenlärm, daß kein Mensch es mehr aushalten konnte.
Eine alte kluge Frau, die Abhilfe schaffen sollte, fragte sogleich, ob der Bauer nicht etwas gefunden und ungesegnet mit nach Hause genommen hätte. Dem Bauern fiel sofort das bunte Band ein. Er erzählte der Frau davon und erhielt den Rat, auf dieses Band genau zu achten.
Als der Bauer nach Hause kam, war das Unheil gerade wieder im besten Gange. Schnell öffnete er den Kasten, in dem das Band sonst lag, aber dies war verschwunden. Erst als der Lärm sich gelegt hatte, fand sich auch das Seidenband an seinem Platze im Kasten wieder vor. Jetzt war es klar, daß das Band ein Kobold oder der Teufel selber war. Der Bauer segnete sich deshalb mit den Worten: „Help Gott, Herr Jesus Christ!“ nahm das Band und trug es auf dieselbe Stelle zurück, von der er es damals weggenommen hatte. Seit dieser Zeit hat er nie wieder etwas von dem Spuk gemerkt.
Ähnliche Berichte sind häufig: der Kobold befindet sich in einem Strick, in einer Jacke oder in einem Tier; erzählt von Gustav Zinke, P., 80 J.; Frau Mielke, P., 36 J., u. a.
14. Erzählt von Frau Minna Ueck, P., 69 J. Eine ähnliche Erzählung aus Wollin, Kr. Stolp, finden wir in Knoop, Volkssagen aus dem Stolper Kreis.
15. Berichtet von der Schülerin M. Höppner als Erzählung ihrer Großmutter Wilhelmine Gall, P., 69 J. Die Geschichte soll sich in Seeger bei Bublitz zugetragen haben, sogar der Name des Burschen wird genannt.
16. Erzählt von Frau Voelzke, P., 68 J., und nach anderen Berichten.
17. Von Frau Voelzke, P., 68 J. Erzählungen vom feurigen Alf sind häufig. Besonders starke Sternschnuppen (Meteorsteine) mögen die Entstehung unterstützt haben. Vgl. folgenden Bericht der Stadtchronik zu Pollnow: „Am 19. April 1818 abends um 8 1/2 Uhr zeigte sich am Firmament ein Stern von der Größe des Mondes. Derselbe zog mit Schnelligkeit weiter, leuchtete sehr stark und warf sogar Feuer von sich.“ (Vgl. auch: Sagen u. Erz. II, Nr. 43).
18. Von Kogl., P. Die Erzählung ist eine freie Erweiterung der offenbar verstümmelten Sage vom Devkenberge, die in Pollnow und Reetz in verschiedenen Fassungen erzählt wird. Einige davon hier:
a) Früher war auf dem Großreetzer Devkenberg eine große Quelle. Das Wasser floß unaufhörlich, und die Leute im Dorfe waren schon in Not. Sie brachten viele Opfer, um das Wasser zu stillen; aber alles war umsonst. Da haben sie ein neugeborenes Kind geopfert, dann ließ das Wasser nach. Oben auf dem Berge ist heute ein Graben zu sehen; das ist der Anfang der Quelle gewesen. Erz. von Frau Berta Mielke in Kleinreetz, 92 J.
b) Der Devkenberg liegt bei Großreetz. Mein Vater erzählt von ihm folgendes: „In uralter Zeit ist dort eine Quelle entsprungen. Aus dieser ist soviel Wasser herausgekommen, daß schon das ganze Land ringsumher unter Wasser stand. Sie mochten soviel Steine und andere Gegenstände hineinwerfen, wie sie wollten, die Quelle versiegte nicht. Da machte einer den Vorschlag, eine alte Frau hineinzustecken. Als sie dieses machten, versiegte die Quelle. Noch heute ist dort eine grüne Stelle, von der man sagt, daß dort die Quelle gewesen sei.“ Erzählt von Schüler H. Latzke, P., 14 J.
c) Vor vielen, vielen Jahren war auf dem Devkenberg ein großes Wasserloch. In diesem konnte man leicht ertrinken. Da versuchten die Leute, das Loch zuzustopfen. Es hielt aber nicht vor. Sie haben Lappen hineingestopft und Strauchwerk darübergelegt; aber es half auch nichts. Dann haben sie eine Gans hineingestopft und ein Bett.
Nach vielen Jahren ist eine große Überschwemmung gekommen, welche in Reetz sehr viele tiefe Gräben ausgerissen hat, die sie noch heute den Kulengrund nennen. Bei dieser Überschwemmung ist dann vom Berge eine Gans mit einem Bett zu schwimmen gekommen. Erzählt von Frau M. Kosel, P., 45 J., welche die Erzählung von ihren Eltern und Urgroßeltern herleitet, die in Gr. Reetz wohnten. (Vgl. auch Jahn Nr. 107.)
Die Sage bringt das Motiv der Tier- und Menschenopfer, die den göttlichen Mächten dargebracht wurden. Aus dem Mittelalter werden Fälle berichtet, daß beim Bau von Burgen, Stadtmauern, Brücken, Flußwehren, Deichen usw. Kinder, manchmal auch Erwachsene, später Tiere lebendig eingemauert wurden (vgl. auch Storm, Der Schimmelreiter, und : Sagen u. Erz. I, Nr. 15). Die noch jetzt häufig in den Grundstein eingelegten Münzen und Denkschriften erinnern an obigen Brauch.
So stellte die Volkssage Verbindungen her zwischen dem diesseitigen Schaffen und Denken der Menschen und einer höheren Welt. Bei der Deutung dieses Brauchtums ist das Menschenopfer sicher auf südländischen Einfluß zurückzuführen. Für das germanische Fühlen ist als ursprüngliche Haltung mehr ein Sinn für eine Schicksalsgemeinschaft zwischen schaffenden Menschen und mächtigen Helfern festzustellen. Dafür war das Aufgehen des Menschen in seinem Werk und in der Natur dann nur eine sinnbildhafte Darstellung.
Sage und Märchen lassen daher den Menschen nach einer Zeit der Bewährung u. ä. oft wieder zur Erde zurückkehren (vgl. auch Fassung c).
19. Mitgeteilt von Frau D., 45 J., Vellin, durch Lehrer Krämer, Vellin. Diese Geschichte gehört zu den Erzählungen vom Nachzieher (Nachzehrer) oder Vampir, die noch mehrfach vorkommen. Es sind dies Menschen, die nach ihrem Tode den Verwandten das Blut aussaugen und sie dadurch nach sich ziehen. Folgende Erzählung mit genauen Angaben liegt vor:
Ein Nachzieher.
Vor achtzig Jahren starb in U. ein Mädchen, das hieß Fr. O. Nach ihr starben viele aus der Verwandtschaft, meistens Frauen. Nun wollten die Verwandten etwas dagegen tun. Die Leute sagten ihnen, sie sollten die Tote wieder ausgraben, ihr den Kopf abschlagen und zwischen die Füße legen. Den, der es mache, dürfe aber kein Blutspritzer treffen.
Im Dorfe war ein junger Mann, der galt als sehr dreist. Der ließ sich bereden, es zu tun. Er ging mit den Verwandten, dem Schulzen, dem Pastor und dem Totengräber auf den Friedhof. Der Totengräber schaufelte das Grab auf, und der Sarg wurde geöffnet. Die Leiche hatte sich umgedreht und lag auf dem Bauch. Der junge Mann stach ihr mit dem Spaten den Kopf ab und sprang rasch zurück. Die Tote stieß einen furchtbaren Schrei aus und hat sehr geblutet. Nachdem man ihr den Kopf zwischen die Füße gelegt hatte, wurde sie wieder begraben. - Nun hörte das Sterben in der Verwandtschaft auf. Erzählt von Frau H. in P. Der junge Mann war der Vater der Erzählerin.
Eine ähnliche Geschichte wird aus Sydow berichtet.
20. Mitgeteilt von Schüler G. Massow, 14 J., nach Erzählung eines Verwandten. Erzählungen von Geistern, die in Gestalt eines Tieres erscheinen, sind häufig; oft verwandelt sich das Tier in einen riesigen Mann. Bei einer ähnlichen Sage war es ein Hund, der, wie später festgestellt wurde, dem Reisefuhrwerk eines Gutsbesitzers entlaufen war, ein Beispiel, wie solche Erzählungen oft entstehen.
21. Allgemein erzählt. Kogl. hörte die Erzählung auch vor 50 Jahren von seinem Vater in Drawehn.
22. Mitgeteilt von Frau Voelzke, P., 68 J. Vgl. (wörtlich):
Eine Frau verzaubert ihren Mann.
Als ich als fünfzehnjähriges Mädchen schneidern lernte, wurde in der Schneiderstube folgende wahre Begebenheit erzählt:
Ein hiesiges Ehepaar lebte sehr in Unfrieden. Damit der Mann ihr nichts anhaben könne, hatte die Frau sein Trauhemd genommen, die Arme überkreuz und verschlungen auf den Rücken gelegt, es dann zusammengewickelt und vor dem Kamin vergraben. Der Mann wurde nun ganz schwach und elend. Wenn die Frau ihm arg zusetzte und er sie gern zurechtgestutzt hätte, war er nicht imstande, ihr irgendetwas zu tun. Er konnte die Arme nicht heben; sie fielen immer zurück.
Dieses Leiden klagte er einer klugen Frau. Die hat dann zu ihm gesagt: „Jo, dat wart mit de ma nich anners ware, eiher du din Hemd nich utgrowe deest, wat din Fru vörm Kamin unner de Steine vergrowe hätt. Denn so as dat Hemd verfult, so verfulst du uck. Sei hätt de jo din Arme bunne, dormit du ähr nich daue kast.“
Der Mann ist ganz sprachlos gewesen, hat gleich das Hemd ausgegraben, so sauer es ihm auch geworden ist. Es ist schon ganz stockig gewesen. Nun ist auch seine Kraft wiedergekehrt. Als er kräftig genug war, hat er seine Frau nach Strich und Faden verhauen und sich von ihr scheiden lassen.
23. Mitgeteilt von Franz Fischer, P., 64 J., durch Schülerin Gerda Schmidt, P., 14 J. Die Sage kommt in Pommern häufiger vor, vgl. Jahn Nr. 372.
24. Mitgeteilt von Kogl., allgemein bekannt.
25. Erzählt von Frau A. Grünwald, P., 60 J., allgemein bekannt.
26. Mitgeteilt von Kogl., allgemein bekannt. Geschichtlich nachweisbar sind Poleneinfälle für die Jahre 1656 und 1807. 1656 wurde die Stadt niedergebrannt, nur Kirche, Pfarrhaus, Mühle und Schloß blieben erhalten. Die Erzählung ist wohl nur eine Ausschmückung der Sage von unterirdischen Gang zum Heiligen Berg. Bezüglich der Polenschlacht vgl. auch Nr. 51.
27. Allgemein bekannt.
28. Von Kogl. nach der Pollnower Stadtchronik.
29. Nach Rosenow, Sagen 1921 Nr. 137/38. Vgl. auch H. Schl. 1929, 294 f. - Die Rettung des Herzogs taucht öfter in der pommerschen Sage auf. Vgl. Bl. IV, 10 und Bl. I, 39 Anm.; hier wird eine ähnliche Sage aus Stolp erzählt, die Retter sind hier die Schuhmacher. Vgl. auch: Haas, Das pommersche Herzogshaus in der Volkssage, Baltische Studien 1938, S. 18 - 51.
30. Nach Rosenow, Sagen 1921 Nr. 128. <Äußerung des Kaufmanns aus der handschriftlichen Chronik des Cosimus von Simmern, Angabe über Hans von Schlieffen aus der Geschichte des Geschlechts Bd. !, 257 und 330 - 332. Vgl. auch Wehrmann I, 254 und Kantzow 228/29.>
31. Aus H. O. 1933, Nr. 16 (Rosenow). Dort findet sich die Bemerkung: Dieselbe Sage wird auch von zwei Raubburgen im Kaminsee erzählt, aber die Inseln sind viel zu klein. Die Sage scheint einen geschichtlichen Hintergrund zu haben.
32. Von Kogl., allg. bek. Die einzelnen Berichte weichen voneinander ab:
a) Als die Franzosen im Jahre 1812 nach Rußland zogen, kamen sie auch durch Pollnow. Hier wurde Rast gemacht. Ihre Kriegskasse wurde in dem Eckhause am Markt und der Rummelsburger Straße untergestellt. Damals war da eine Brauerei. Als das einige Arbeiter erfuhren, gingen sie heimlich hin und nahmen die Kriegskasse. Der Besitzer des Hauses hieß Laude und wurde beschuldigt, sie genommen zu haben. Da sagte Frau Laude, wenn das wahr wäre, solle ihr Haus in Flammen aufgehen. Nach ein paar Tagen brannte es wirklich ab. (Erz. von Frau H. Heberlein, P., 81 J.)
b) Als die Franzosen auf dem Rückzuge von Rußland waren, kamen sie auch durch Pollnow. In den Lokalen tranken wie und spielten Karten. Inzwischen stahlen Pollnower die Kriegskasse. Sie stand in dem Eckhause am Markt. (Erz. von Julius Bussian, P., 69 J.)
c) Als die Franzosen gegen die Deutschen Krieg führten, kamen sie in einem Frühjahr auch nach Pollnow. Sie raubten und plünderten und nahmen besonders Geld. Da stahlen zwei Pollnower ihre Kriegskasse. Wer es gewesen war, wußte keiner. Aber später wurde eine Kuh durch den Hausflur geführt, wo jetzt Mau wohnt. Sie brach durch die Diele. Da fand man einen kleinen Keller, von dem niemand etwas gewußt hatte. Darin war ein leerer Kasten. Das war die Kriegskasse gewesen. (Erz. von Frau Voelzke, P., 68 J.)
Die Franzosen waren nach dem Bericht der Pollnower Stadtchronik in Pollnow im April 1807, im Jahre 1812 auf dem Marsch nach Rußland, im Frühjahr 1813 auf dem Rückzuge von dort und im Herbst 1813 auf dem Durchmarsch nach Danzig als Gefangene.
33. Von Kogl., allgemein bekannt, mit Zusätzen aus der Pollnower Stadtchronik.
34. Mitgeteilt von Hermann Dumke, P., 80 J., allgemein im Kreise bekannt. Vgl. Sagen u. Erz. II Nr. 61 mit Anm. Ferner: Dr. Chr. Rogge, Eine Fahrt durch Ostpommern zur Erkundung einer Bismarck-Anekdote (H. Schl. 1926, S. 130 ff.).
Er hält sich in Pollnow besonders an die Wirtin vom Wrangelshof und an einige Einwohner. Insbesondere berichtet ihm der Sohn des alten Schuhmachers Kordewan aus seinen Kindheitserinnerungen (sein Haus lag in der heutigen Rummelsburger Straße gegenüber der Posthalterei, bei der früher die Pferde für die Extrapost gewechselt wurden): „Mein Vater saß gern vor der Tür auf der Bank, und da ist Bismarck, wenn er warten mußte, herübergekommen, hat sich zu meinem Vater gesetzt und mit ihm gesprochen.“ Für die Anekdote in obiger Form hat Rogge aber auch nur eine einzige Quelle: Der Volksmund erzählt.
35. Vgl. auch die wenig glückliche Darstellung der Beziehungen Wrangels zu Pollnow in dem Buch von Erich Murawski, Papa Wrangel, Stettin 1938, 3. Aufl. Dort befindet sich auch eine Lichtbildwiedergabe des Dankbriefes von Wrangel an die Stadt Pollnow für das verliehene Ehrenbürgerrecht.
36. Von Kogl. Allgemein bekannt. Vgl. auch Rosenow, Der Heilige Berg bei Pollnow, H. Schl. 1926, S. 150 ff.; derselbe: Die Heiligen Berge im Kreise Schlawe, H. Schl. G. 1934 Nr. 4 f.; ferner: „Das Blaue Buch von Pollnow“ (Staatsarchiv Stettin), das den urkundlich ältesten, umfangreicheren Hinweis enthält. Betr. des unterirdischen Ganges liegen Berichte über Versuche vor, ihn zu entdecken, jedoch ohne größeren Erfolg.
37. Von Kogl. Zahlreiche mündliche Einzelberichte sind zu einer Erzählung zusammengefaßt worden. Verwertet wurden: 1. der auch jetzt noch nicht völlig verschwundene Glaube an die Heilkraft der Quelle, 2. der Bericht über ihre Auffindung durch den Hinweis auf die lichte Frau, 3. geheimnisvolle Vorstellungen der alten Volksheilkunde, die, wie z. B. hinsichtlich des Osterwassers, noch heute lebendig sind. Vgl. Rosenow, Sagen 1921 Nr. 142.
38. Allgemein bekannt. Eine Kurzform findet sich in Bl. VIII, 18. Die Erzählung kommt in verschiedenen Abweichungen vor. Der Ziegenbock ist ursprünglich das dem Thor geweihte Tier gewesen, wurde dann aber wie manches andere Volksgut in der christlichen Anschauung der Bekehrungszeit als das Böse, als das Tier des Teufels, angesprochen (vgl. auch der wilde Jäger u. a.).
Der Heilige Berg steht als frühere Kultstätte noch immer in einem gewissen Ansehen. Daß dort auch Gräber aus älterer Zeit sind, vermehrt die vorhandene Scheu. So wurde die Volksphantasie zu Gespenstergeschichten angeregt, von denen hier eine folgt (mitgeteilt von Walter Bütow, P., 15 J.):
Geister auf dem Heiligen Berge.
Man sagt, daß im Heiligen Berge Geister wohnen. In manchen Nächten kommen sie hervor. Dann sieht man ein Licht von oben. Wenn man die Geister nicht stört, tun sie keinem Menschen Schaden; sonst aber widerfährt einem ein Unglück. Darum geht zur Nachtzeit niemand gern über den Berg.
Einmal kam eine Familie spät in der Nacht den Fußsteig entlang, der nicht weit davon über die Höhe führt. Es war völlig dunkel und still. Da sahen die Leute auch das Licht und gingen darum schweigend vorüber. Das Licht folgte ihnen nach bis unten an den Kreuzweg. Da war kein Baum und kein Strauch; aber doch war es auf einmal verschwunden.
Über den Kreuzweg können Geister ja nicht folgen.
39. Grundgedanke der Erzählung ist der noch jetzt z. T. vorhandenen Aberglaube, daß Steine von der Kapelle des heiligen Berges Wunderkraft besäßen, Krankheiten heilen und Unglück fernhalten könnten. In manchen Familien wurde vor einigen Jahrzehnten noch so ein Stein aufbewahrt. Ein solcher befindet sich auch im Kreisheimatmuseum in Rügenwalde.
Obige Sage ist ein Zusammenfassung mündlicher Berichte, einige hier wörtlich:
a) Ein Bauer hatte immer Unglück beim Vieh. Da holte er sich einen Stein vom Heiligen Berge und grub ihn unter die Stalltür. Von da an war sein Vieh immer gesund.
b) Einmal ging ein Mann im Dunkeln über den heiligen Berg. Da sah er ein Licht. Er bekam Angst und sang ein frommes Lied. Ihm ist nichts passiert.
c) Einmal ging ein Mann in der Nacht über den Heiligen Berg. Er trat in ein Loch und fiel hin. Dabei fluchte er. Da traf in etwas an den Rücken. Er hatte Angst und fing an zu laufen. Er meinte, es wäre ein Stein gewesen; nachher wurde er krank. Es wird aber wohl nur ein Ast gewesen sein.
40. Erzählt von Auguste Vergin, P., 66 J., Hermann Dumke, P., 80 J. u. a. Nach der Pollnower Stadtchronik geschah die Tat am 9. 4. 1804. Die beiden Mörder begaben sich nach dem Mord als Landwehrmänner zu einer Revue nach Stargard i. P. Sie wurden zur Hinrichtung nach Pollnow gebracht.
Das von dem König bestätigte Todesurteil lautet wörtlich:
„Mein Generalleutnant von Pirch!
Ich confirmire hierneben die zurückerfolgte kriegsgerichtliche Sentenz wider die Musketiere Martin Schröder und Samuel Dahlke Eures Regiments pure dahin:
daß beide Inquisiten wegen der von ihnen auf öffentlicher Landstraße vorsätzlich verübten Ermordung und Beraubung des Viehhändlers Peau, ohne daß ihnen weder vor noch bei ihrer Hinrichtung ein Geistlicher verstattet werde, mit dem Rade von unten herauf vom Leben zum Tode zu bringen und deren beide Körper auf das Rad zu flechten.
Des mehreren Eindrucks wegen bestimme ich hiermit, daß die Exekution an dem Wohnorte der Inquisiten in Pollnow, in dessen Nähe sie diese abscheuliche Tat verübt haben, vollzogen werden soll.
Ich bin Euer wohlaffectionierter König
Friedrich Wilhelm.
Potsdam, den 27. November 1804.“
Eine ähnliche Mordgeschichte findet sich in Rosenow, Sagen 1921, Nr. 136.
Die Klingelbude an der Chaussee nach Krangen. :
„Mitten im Walde hinter Klarenwerder, gleich nachdem man die Grabow überschritten hat, stoßen mehrere Chausseelinien zusammen, von denen die südliche nach Krangen führt. Hier liegt eine Stelle, die man noch heute als Klingelbude bezeichnet. Vor Jahren stand hier ein Chausseeeinnehmerhaus. Wer nachts vorbei wollte, mußte, um den Einnehmer zu wecken, eine an der Haustür angebrachte Glocke ziehen, daher der Name.
An dieser Stelle wurde vor nicht allzuvielen Jahren gegen Abend ein Radfahrer überfallen. Holzfäller, die im Busche bei der Arbeit beschäftigt waren, hörten sein Geschrei, kamen aber zu spät. Sie fanden nur noch den blutüberströmten Leichnam. Doch die Mörder entgingen nicht der Strafe.“
41./42. Aus Rosenow, Sagen 1921, Nr. 143/44. . Wegen „luttern“ vgl. Sagen u. Erz. II, Nr. 16 Anm.
43. Rosenow, Sagen, 1921 Nr. 139. ; dort heißt es weiter:
Manche Leute erzählen die Geschichte aber anders:
Ein Graf von Podewils war ein sehr wilder und gottloser Mensch, dem Jagd, Spiel und Zechgelage über alles gingen. Als er einmal von einer Jagd heimkehrte, traf er eine Zigeunerin, die um ein Almosen bettelte. Der Graf herrschte sie wütend an, sie solle ihm Platz machen. Da richtete sich das Weib auf und rief: „Wehe Euch! Euer Ende naht mit Schrecken, so Ihr Euch nicht ändert!“ Der Graf war darüber sehr betroffen und ging in sich. Man hörte ihn manchmal sprechen: „Ich bin ein verlorener Mensch. Ist Gottes Barmherzigkeit aber größer als meine Sünde, so wird es an meinem Sarge offenbar werden.“ In großer Reue starb er. Nach seinem Tode wuchs aus seinem Grabe eine Linde hervor, die auch durch das Dach brach. Einmal wurde sie abgehauen; aber sie wuchs zum zweiten Male durch das Kirchendach. Da ließ man sie als Wunderzeichen fortan stehen.
44. Mitgeteilt von Kogl., erzählt von August Kosel, P., 40 J., mundartlich von Hildegard Tesch, P., 15 J.
Die Erzählung kennzeichnet das große Vertrauen, das die Bauern in die Rechtlichkeit des Edelmannes setzten, trotz aller erfahrenen Härte und Strenge. Es gibt noch eine andere Sage, Erzähler: August Mantik in Vellin, 46 J.:
Herr von Podewils und der Schäfer.
Als die beiden Brüder Podewils in Krangen wirtschafteten, trug es sich zu, daß der Schäfer sich von dem älteren 50 Taler borgte. Im Laufe der Zeit gab der Schäfer das Geld wieder ab, bekam aber keine Quittung dafür.
Nach einiger Zeit wurde der ältere Bruder krank und starb. Nun wirtschaftete der jüngere und verlangte noch einmal die 50 Taler. Im Buch waren sie angeschrieben und nicht gestrichen.
Der Schäfer war sehr ärgerlich und wollte sich aufhängen. Er fand keinen passenden Baum; der Ast sollte auf seinem Kopf liegen, daß er nicht hoch zu reichen brauchte. Er konnte aber keinen solchen Ast finden.
Auf einmal begegnete ihm ein feiner Herr, der fragte, was er wolle. „Ach,“ sagte der Schäfer, „du kannst mir doch nicht helfen.“ Der Herr fragte aber immerzu. Zuletzt klagte der Schäfer ihm sein Leid. Der Mann fragte: „Kennst du Herrn von Podewils, wenn du ihn wiedersiehst?“ Der Schäfer sagte: „Ja!“ Der Herr sagte: „Komm mit!“ Der Schäfer ging mit. Als sie gingen, lag da ein Knüppel. Der Herr sagte zu dem Schäfer: „Nimm den Knüppel mit. Wenn Herr von Podewils dir die Hand reicht, so gib ihm den Knüppel!“ Sie gingen beide weiter.
Zuletzt kamen sie in ein tiefes Tal; da lag ein großer Stein, den wälzte der Mann zurück. Dann kamen sie an eine Tür. Diese öffneten sie. Da war eine ganze Stube voll Herren. Der Herr fragte: „Ist er hier?“ Der Schäfer sagte: „Nein.“ Dann gingen sie ins zweite Zimmer, da war er auch nicht. Dann gingen sie ins dritte Zimmer, da war er.
Herr von Podewils reichte dem Schäfer die Hand. Der Schäfer reichte ihm den Knüppel. Wo Herr von Podewils angefaßt hatte, war alles verbrannt. Der Schäfer sagte ihm das, daß sein Bruder die 50 Taler wiederhaben wollte. Herr von Podewils sagte: „Sage meinem Bruder, daß du mit mir gesprochen hast, und du hast mir die 50 Taler bezahlt. Die Quittung liegt im Wohnzimmer hinter dem Spiegel. Sage ihm auch, wenn er so mit den armen Leuten ist, wie ich war, dann kommt er neben mich auf einen glühenden Stuhl, der mit Messern gepolstert ist.“
Der Schäfer war froh, daß er die Quittung wußte. Er ging zurück und sagte dem Bruder des gestorbenen Herrn alles. Die Quittung lag hinter dem Spiegel, die Schuld war bezahlt.
Der jüngere Herr von Podewils war nun immer gut zu seinen Leuten. Er ließ ein Armenhaus bauen. Als er auf seinem Sterbebette lag, sagte er: „Wenn ich gut angekommen bin, wird ein Zeichen an der Kirche geschehen.“
Nach einiger Zeit wuchs eine Birke auf der Mauer. Die wurde abgenommen. Nach dieser Birke grünte eine Linde, auch die wurde beseitigt, aber sie wuchs wieder. Dann wurde in dem Stubben ein Loch gebohrt und heißes Blei hineingegossen. Nun verdorrte sie.
Der Baum war ein Zeichen, daß Herr von Podewils gut angekommen war.
Dieselbe Sage bringt K. F. Marquardt in H. Schl. 1927, S. 191 f. und in dem Heimatkalender für den Kr. Schlawe 1928, S. 93 f. Einige neue Motive sind aufgenommen. Der Kern der dort allerdings schon mit Märchenzügen ausgestatteten Sage ist folgender:
Der strenge Graf, der keinem seiner Diener das Gnadenbrot gibt, macht bei einem Schäfer, der ihm das Leben gerettet hat, eine Ausnahme. Die Urkunde nimmt der Graf an sich. Nach dem Tode des alten Grafen will sein Sohn nichts davon wissen.
Ein Männchen, „mit einer Hagebuttenase, Eichkaterfinger und Entenfüßen“ verhilft dem Schäfer dazu, den alten Grafen in einer Höhle zu treffen, glühende Kohlen karrend. Den feurigen Händedruck vermeidet der Schäfer durch Hinhalten seines Schäferstabes. Er erfährt, daß die Urkunde hinter dem Spiegel steckt. Als Zeichen erhält er das Samtkäppchen des Grafen, ferner soll eine Birke aus der Kapelle wachsen. Der junge Graf ist überrascht, besonders durch das unter Feuerzeichen verschwindende Käppchen und durch das Wachsen des Baumes. Der Schäfer erhält sein Recht, der Graf ändert sich.
45. Mitgeteilt von Lehrer Falkenhagen, Wusterwitz, nach H. Schl. G. 1936, Nr. 53. Dort wird auch noch der Name Jungfernstein erklärt und von einigem Brauchtum um diesen Stein berichtet:
Auf ihm soll einst der Teufel mit einer stolzen Jungfrau getanzt haben, die jeden Freier verschmähte. Nach einer anderen Darstellung soll an diesem Steine ein Handelsmann erschlagen worden sein. Daher warf nach altem Brauch ein jeder, der hier vorbeiging, einen Stein oder Holzreisig auf einen Haufen, der von Zeit zu Zeit angezündet wurde.
An diesem Steine ist es nicht geheuer. Allerlei abergläubische Gebräuche wurden hier ausgeübt, besonders geheime Liebeszauber in der Johannisnacht. So fand man vor länger als 30 Jahren einmal nach einer solchen Nacht auf dem Steine ein kleines Krüglein mit zwei Reliefs, die wahrscheinlich zwei Apostel darstellen. Über dieses Gefäß ist seinerzeit viel geheimnist worden, aber nichts herausgekommen. Kantor Vandersee überwies es 1927 dem Kreisheimatmuseum.
Vgl. auch: Rosenow in: Heimatkalender für den Kreis Schlawe 1928, S. 136.
Reisighaufen als Erinnerung für Erschlagene finden sich öfter in Pommern, vgl. Bl. II, 89, Bl. V, 120 und auch oben Nr. 40.
46. Mitgeteilt von Emil Wodtke, P., 48 J.
47. Aus: Rosenow, Rund um den Papenzinsee, H. O. 1935, Nr. 16.
48. Mitgeteilt von Louis Schmidt, P., 70 J. +, u. a. Vgl. Jahn Nr. 304 und Nr. 307. Nachstehend die Sage von verschiedenen Erzählern:
a) „Bei dem Dorfe Sydow liegt der Kaminsee, an dessen Stelle früher eine große Stadt stand, Kamin geheißen. Dieselbe ist jedoch vor vielen hundert Jahren plötzlich versunken, und ihr Andenken erhält sich nur dadurch, daß immer in der Weihnachtszeit die Glocken der versunkenen Kirchen im See läuten. Auch kann man nicht überall den See befischen, weil sich noch an vielen Stellen dicht unter dem Wasserspiegel das Bauholz der alten Stadt befindet.
In dem versunkenen Kamin haben Ulanen gestanden. Einmal im Jahre in der Johannisnacht kommen dieselben aus dem Wasser hervor und steigen auf den in der Mitte des Sees befindlichen Werdel, einen kleinen Berg, und machen dort ihre Übungen. Doch kann man dies nur zwischen elf und zwölf Uhr erblicken.
An dem Ufer des Sees ist auch oft eine gespenstische Frau gesehen, welche ihr Wäsche wusch. Ob sie gleichfalls der versunkenen Stadt angehört, weiß man nicht.“ (Aus: Jahn Nr. 310.)
b) Im Kaminsee ist einstmals eine Insel gewesen, auf der eine Kirche stand. Schon vor langen Zeiten ist diese Insel mit der Kirche im Wasser versunken.
An einem Ostermorgen ging zufällig ein Mann am See vorbei. Da hörte er aus dem Wasser die Glocken läuten. Man sagt, daß sie an jedem Ostermorgen vor Sonnenaufgang erklingen. (Erzähler: M. Wobser, P., 42 J., gehört von seinem Vater.)
c) Südlich von Sydow liegt der Kaminsee. Früher ist an seiner Stelle eine Stadt gewesen. Sie hatte eine große Kirche mit einer großen Glocke. Die Stadt ist mit der Kirche in die Tiefe gesunken. An ihrer Stelle breitet sich jetzt der Kaminsee aus. Aber in den Nächten vor den Festzeiten erhebt sich die Kirche aus der Tiefe und ihre große Glocke läutet. (Von Frau Krause in Breitenberg.)
49./50. Quelle wie Nr. 47.
51. Allg. bek. Früher: Die Grund, vgl. Sagen u. Erz. I, Nr. 19.
Der rote Grund liegt unweit von Pollnow an der Chaussee nach Sydow. Früher hieß er auch Schinnerkul, da hier totgebliebenes Vieh verscharrt wurde. Die sandige Erde der Senke ist eisenhaltig, daher die rotbraune Farbe. Der Volksmund erklärt sie als von vergossenem Blut herrührend. Einige Erzählungen folgen:
a) Früher hatten die Häuser in Pollnow alle nur Strohdächer. Da sind in einem Kriege die Russen hier eingedrungen. Sie haben die Stadt in Brand gesetzt. Da flüchteten die Bewohner in den „Roten Grund“. Hier wurden sie von den Russen überfallen und getötet. Seitdem heißt die Stelle „Roter Grund“. (Maria Palenga, P., 15 J.)
b) Hier haben früher Russen gehaust. Sie haben ihre Toten und die toten Pferde begraben. Darum sieht man auch jetzt noch die rote Erde. (Egon Schulz, P., 16 J.)
c) In dem „Roten Grund“ ist früher eine Franzosenschlacht gewesen. Die Franzosen hatten dort eine Kriegskasse versteckt. Die Pollnower haben sie heimlich weggenommen und in der Gegend, wo jetzt der Saal von Hannemann ist, versteckt. (Frau M. Wachholz, P., 56 J.) u. a. m.
52. Von Kogl., mündl. von mehreren Handwerksmeistern, allg. bek.
53. Allgemein bekannt; erzählt von Karl Gerson, P., 18 J.
54. Mitgeteilt von Julius Bussian, P., 69 J.
55. Mitgeteilt von Käte Dumke, P., 15 J., erzählt von einer Hausgehilfin aus Sydow.
56. Durch Lehrer Jakob aus Rotzog von J. Potratz, erzählt von Frau Barz in Rotzog.
57. Nach Jahn, Nr. 401, „mündlich aus Sydow“.
58. Mitgeteilt von Kogl. nach Schülerberichten.
59./62. Aus Jahn, Nr. 555 bzw. 562, 550 und 171, alle „mündlich aus Sydow“. Vgl. Nr. 608, II:
Die Spinne.
Ein Bauer hatte in der Stadt eine große Erbschaft erhoben und wanderte nun, mit Geld schwer beladen, seinem Hofe zu. Schlechte Leute hatten jedoch von der Sache erfahren und lauerten dem Manne im Walde auf, um ihn zu ermorden und dann zu berauben. Zu dem Zwecke lagerten sie sich im dichten Buschwerk und verabredeten dort, wie sie die Sache wohl am besten anzufangen hätten. Dem einen von ihnen war das nicht recht, dem andern wieder wollte jenes nicht gefallen, und schließlich unterhandelten sie so laut, daß der Bauer, als er in die Nähe des Hinterhalts kam, ihr Reden hörte und zu seinem Schrecken erfuhr, daß man dort über nichts Geringeres zankte als darüber, wie er am sichersten aus der Welt zu schaffen sei.
In seiner Herzensangst versteckte er sich deshalb in den Stamm einer hohlen Eiche. Und als er drinnen war, kroch eine Kreuzspinne hervor und spann einen Faden nach dem andern über die Öffnung, bis das ganze Loch mit einem dichten Gewebe bedeckt war.
Inzwischen hatten sich die Räuber geeinigt und sperrten die Straße. Aber wer nicht kam, war der reiche Bauer. Es verging eine Stunde und dann noch eine, ja, es wurde Abend. Und immer war noch nichts von dem Mann zu erblicken. „Der Schelm hat uns belauscht“, sprachen sie endlich zueinander, „und irgendwo ein Versteck gefunden. Kommt, laßt uns ihn suchen!“ Und nun streiften sie den ganzen Wald ab, konnten aber seiner nicht habhaft werden.
Endlich stießen sie auch auf die hohle Eiche. „Hier sitzt er gewiß drin!“ rief der erste und wollte schon hineinschauen, aber die andern lachten ihn aus und sprachen: „Du Dummkopf! Siehst du denn nicht, daß vor der Öffnung ein unversehrtes Spinnengewebe hängt? Säße er drinnen, so müßte doch das Netz zerrissen sein.“ Das leuchtete dem Räuber ein, er stand von seinem Vorhaben ab und zog mit seinen Genossen unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Der Bauer aber war mit Gottes Hilfe durch die Klugheit und List der kleinen Kreuzspinne gerettet worden.
Das sollen wir nun bis auf den heutigen Tag der Spinne nicht vergessen, daß sie einen braven Bauersmann vor dem Tode behütet hat, und ein gottloser Bösewicht ist es, der mutwillig Spinnengewebe zerreißt oder gar die Tierchen tötet. Er wird seiner Strafe dafür später einmal nicht entgehen.
63. Aus: Rosenow, Zanower Schwänke, Verlag A. Mewes Nachf., Rügenwalde Ostsee 1924, S. 44 f.
64. Von einer Schülerin in Pollnow.
65. Mitgeteilt von Kogl. Allgemein bekannt.
66. Von Ewald Krause, P., 15 J.
67./69./70. Gesammelt von Schülern der Stadtschule Pollnow.
68. Nach der Schulchronik von Pollnow, 1876 geschrieben von Rektor Haase.




Inhalt